Einleitung: Warum das Thema Samenspenden immer wichtiger wird
Samenspenden sind in den letzten Jahren in den Fokus der öffentlichen Diskussion gerückt. Mit dem wachsenden Wunsch vieler Menschen nach einem eigenen Kind – unabhängig von Geschlecht, sexueller Orientierung oder Familienmodell – steigt auch der Bedarf an Spendersamen. Gleichzeitig sind ethische, rechtliche und medizinische Fragen komplexer geworden. In diesem Leitfaden beleuchten wir alle relevanten Aspekte rund um das Thema Samenspenden in Deutschland – sowohl aus Sicht von Spendern als auch Empfänger:innen.
1. Was ist eine Samenspende?
Eine Samenspende ist die freiwillige Abgabe von männlichen Samen (Spermien) durch einen Spender mit dem Ziel, eine künstliche Befruchtung bei einer Empfängerin zu ermöglichen. Die Spende kann anonym oder offen erfolgen, je nach rechtlichen Rahmenbedingungen.
1.1 Arten der Samenspende
- Anonyme Spende: ohne persönliche Bekanntschaft zwischen Spender und Empfängerin (in Deutschland nur eingeschränkt möglich)
- Offene Spende: Identität des Spenders wird dokumentiert; das Kind hat später ein Auskunftsrecht
- Private Spende: außerhalb von Kliniken, z. B. im privaten Umfeld
2. Rechtliche Grundlagen in Deutschland
2.1 Das Samenspenderregistergesetz (SaRegG)
Seit Juli 2018 gilt das Gesetz zur Regelung des Rechts auf Kenntnis der Abstammung bei heterologer Verwendung von Samen:
- Kinder, die durch Samenspende gezeugt wurden, haben ab dem 16. Lebensjahr ein Auskunftsrecht über den Spender
- Das Register wird beim Deutschen Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) geführt
2.2 Haftung und Unterhalt
- Spender sind rechtlich nicht als Vater des Kindes eingetragen
- Sie sind nicht unterhaltspflichtig
- Voraussetzung: Die Spende erfolgte über eine lizenzierte Samenbank oder Reproduktionsklinik
2.3 Samenspende für lesbische Paare und alleinstehende Frauen
- Gesetzlich erlaubt, sofern ärztlich begleitet
- Private Samenspenden bergen rechtliche Unsicherheiten hinsichtlich Sorgerecht und Unterhalt
3. Voraussetzungen für Samenspender
3.1 Gesundheitliche Anforderungen
- Alter zwischen 18 und 38 Jahren (je nach Klinik)
- Keine genetischen Erkrankungen
- Keine übertragbaren Krankheiten (HIV, Hepatitis etc.)
- Gesunder Lebensstil (kein Drogenmissbrauch)
3.2 Psychologische Eignung
- Motivation zur Spende
- Umgang mit möglicher Kontaktaufnahme durch das Kind in der Zukunft
3.3 Spermaqualität
- Untersuchung der Spermienanzahl, Beweglichkeit und Form
- Spermaproben werden tiefgefroren (Kryokonservierung)
4. Der Ablauf einer Samenspende
- Bewerbung beim Spenderprogramm einer Klinik oder Samenbank
- Voruntersuchungen (medizinisch und psychologisch)
- Spermaprobenabgabe über mehrere Monate
- Quarantäne der Proben (i. d. R. 6 Monate)
- Freigabe nach erneuter Testung auf Infektionskrankheiten
5. Entschädigung für Samenspender
Spender erhalten in Deutschland keine Bezahlung im kommerziellen Sinn, aber eine Aufwandsentschädigung von etwa 80–120 Euro pro Spende – abhängig von Klinik und Region.
6. Ablauf für Empfängerinnen und Paare
6.1 Auswahl des Spenders
- Anonyme oder offene Spende
- Auswahl nach Blutgruppe, äußerlichen Merkmalen, Bildung etc.
6.2 Künstliche Befruchtung
- Insemination (IUI): Übertragung der Spermien in die Gebärmutter
- In-vitro-Fertilisation (IVF) bei komplexeren Fällen
- Hormonbehandlung zur Vorbereitung
6.3 Kosten
- Gesetzliche Krankenkassen übernehmen i. d. R. keine Kosten bei alleinstehenden oder lesbischen Frauen
- Pro Versuch: 800–2000 Euro je nach Methode
- Private Versicherungen oder Selbstzahlerregelungen möglich
7. Psychosoziale Aspekte
- Identitätsfindung des Kindes: Umgang mit Wissen um die Samenspende
- Beratung empfohlen für Spender, Empfänger:innen und später das Kind
- Offenheit und Transparenz im Familienumfeld wichtig
8. Ethische Diskussionen
- Recht auf Kenntnis der genetischen Herkunft vs. Recht auf Anonymität
- Kommerzialisierung menschlicher Fortpflanzung
- Einfluss privater Samenbanken und Online-Plattformen
- Debatte um Spendenhäufigkeit eines Einzelspenders (Vermeidung genetischer Nähe)
9. Samenspende weltweit – ein Vergleich
Land | Anonyme Spende erlaubt? | Entschädigung | Registerpflicht |
---|---|---|---|
Deutschland | Nein (seit 2018) | Ja | Ja |
Dänemark | Ja | Ja | Teilweise |
USA | Ja | Ja (hoch) | Nein |
UK | Nein | Ja | Ja |
10. Fazit: Samenspenden als Chance und Herausforderung zugleich
Samenspenden ermöglichen vielen Menschen, ihren Kinderwunsch zu erfüllen. Gleichzeitig stellen sie Spender, Empfänger und die Gesellschaft vor komplexe ethische, medizinische und rechtliche Fragen. Wichtig sind Transparenz, gesetzliche Rahmenbedingungen und psychosoziale Unterstützung für alle Beteiligten. Nur so kann Samenspenden verantwortungsvoll gestaltet werden – im Sinne der Eltern, der Spender und vor allem der Kinder.